24 Viertklässler haben im vergangenen Schuljahr den islamischen Religionsunterricht in Kreuzlingen besucht. Das Fazit über das erste Jahr des Pilotprojektes fällt positiv aus. Seit letzter Woche besuchen 30 neue Kinder die Lektionen.

Nicole d'Orazio

 

«Selam – Hallo.» Imam Rehan Neziri erteilt vier Klassen islamischen Religionsunterricht. (Bild: pd)

 

kreuzlingen. «Die Schüler und Eltern sind froh, dass es den Islam-Religionsunterricht gibt», sagt Rehan Neziri. Der Imam der albanischen Moschee in Kreuzlingen unterrichtet seit einem Jahr je einmal die Woche zwei Klassen moslemischer Kinder in den Schulhäusern Wehrli und Seetal. Im ersten Jahr besuchten 24 Viertklässler den Unterricht. «Auf das neue Schuljahr hin haben sich zwei abgemeldet», sagt Neziri. Es handle sich dabei um eher schwache Schüler, welche die Eltern nicht zusätzlich belasten wollen.

Letzte Woche besuchten 30 Viertklässler erstmals den Unterricht des Imams. «Schüler und Eltern waren positiv überrascht, was mich freut», erzählt Neziri. Von 42 möglichen Teilnehmern sei 30 eine gute Zahl. «Ich bin froh, dass so viele mitmachen.»

 

Keine Enttäuschung

Warum der Islamunterricht nicht bei allen Anklang finde, dafür gebe es verschiedene Gründe: «Die einen Kinder treiben nach der Schule Sport, besuchen einen Sprachkurs oder die Eltern wollen einfach nicht, dass sie zum Religionsunterricht kommen.» Das sei für ihn keine Enttäuschung, da das Angebot freiwillig ist. «Vom Lehrplan her werde ich mit den neuen Klassen gleich vorgehen wie mit den letztjährigen Viertklässlern», erzählt der Imam. Die Lehrmittel hätten sich bewährt.

 

Kosten werden aufgeteilt

Als ein Knackpunkt des dreijährigen Pilotprojektes wurde vor Beginn die Finanzierung bezeichnet. Wie beim konfessionellen Religionsunterricht, für den die Landeskirchen aufkommen, sollen für die islamischen Lektionen die Gläubigen selber bezahlen. Einen Drittel steuern die Eltern bei, einen Drittel die zwei ortsansässigen Moschee-Gemeinschaften, und ein Teil soll von Sponsoren finanziert werden. Die Schule zahlt keinen Beitrag, stellt aber die Räume kostenlos zur Verfügung. Matthias Loretan, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei St. Ulrich und Mitglied der Projektgruppe islamischer Religionsunterricht, ist für die Spenden zuständig. «Für dieses Schuljahr haben wir noch nicht so viele zusammen, doch das beunruhigt mich nicht. Denn wir haben Zusicherungen von verschiedenen Personen, die im Notfall für den fehlenden Betrag aufkommen», sagt er. Für alle drei Jahre zusammen seien rund 12 000 Franken von der Sponsorenseite budgetiert. «Die Leute sollen das Projekt nicht einfach nur gut finden, sondern mit einem Zustupf ein Bekenntnis für dieses abgeben», so Loretan. Noch in diesem Jahr werde man beispielsweise ein Schreiben an die lokalen Unternehmen senden.

Dass das Pilotprojekt gut ankommt, bestätigt Hans-Jürgen Michael, Leiter des Schulhauses Wehrli: «Nach den vielen Anfangs-diskussionen ist mir nichts mehr zu Ohren gekommen. Alles läuft reibungslos.»

 

Quelle: TZ, 30. August 2011